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Lerntipp

Die Frage nach den "Ursachen"
Wenigstens in einem sind sich die verschiedenen Wissenschaften, die über "Rechenschwäche" / "Rechenstörung" / "Dyskalkulie" forschen, einig:
Die Probleme der betroffenen Kinder sind nicht Folge mangelnder Intelligenz!
Auch sonst durchschnittlich begabte, in anderen Bereichen vielleicht sogar überdurchschnittlich begabte Kinder sind davon in gleicher Weise betroffen - drohen aber aufgrund dieses speziellen Problems von einer höheren Schulbildung ausgeschlossen zu werden.
"Rechenschwächen" können vielmehr aus einer Vielzahl von Faktoren entstehen, die nur zu einem Teil im Kind selbst liegen. Rechenschwäche ist daher nach dieser Sichtweise auch nicht als eine Art von Krankheit, als ein Defekt des Kindes zu betrachten.
Ein entscheidender Faktor für die Entstehung von "Rechenschwächen" ist aus Sicht der Fachdidaktik der Mathematikunterricht.
Dieser Meinung ist Michael Gaidoschik, Wien
"Das ist keine Schuldzuweisung an LehrerInnen.
Die Mängel liegen, seit vielen Jahren von FachdidaktikerInnen erkannt und benannt (vgl. etwa Schipper 2003, siehe Literatur), im System Schule:
▪ im Fehlen von schulischen Fachleuten für eine gesicherte Früherkennung
▪ im Fehlen von Möglichkeiten frühzeitiger Einzelförderung bei sich abzeichnenden Lernschwierigkeiten
▪ in Mängeln in der Aus- und Fortbildung, die dazu führen, dass LehrerInnen nicht darauf vorbereitet sind, "Rechenschwächen" im Rahmen des Möglichen vorzubeugen und "rechenschwache" Kinder gezielt zu fördern.
All das sind Mängel, für die die einzelne Lehrkraft keine Verantwortung trägt und unter denen viele Lehrkräfte Tag für Tag selbst leiden, weil sie ihnen nur allzu bewusst sind."
Quelle: Michael Gaidoschik, www.rechenschwaeche.at
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Forschung auf neurologischer Seite
Es wird gerade in den letzten Jahren intensiv geforscht, ob und inwiefern vielleicht doch auch organische Faktoren für die Entstehung von Dyskalkulie (mit-)verantwortlich sind.
Verstehen, wie sie rechnen
Michael von Aster, Universität Zürich
Bei Lernvorgängen handelt es sich nicht einfach um psychologische Prozesse. Lernerfahrungen bekommen durch die Bildung, Verknüpfung und Stärkung von neuronalen Netzwerken eine Materialisierung. Aus Sicht der Hirnforschung erläutert der Autor das Zahlenverständnis und das Erlernen des Rechnens bei Kindern und Erwachsenen, sowie die Entstehung von Lern- bzw. Rechenstörungen.
Verstehen, wie sie rechnen
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Fehlfunktion im Gehirn
Mögliche Ursache
Eine Gruppe internationaler Forscher hat eine mögliche Ursache der Rechenschwäche entdeckt.
Sie identifizierten eine Region im Gehirn, die bei einer Fehlfunktion die sogenannte Dyskalkulie auslösen kann. Dafür störten sie gezielt ein Areal im Grosshirn und lösten so eine vorübergehende Rechenschwäche bei Probanden aus.
Studie der Forscher um den Neurowissenschaftler Roi Cohen Kadosh von der Ben-Gurion-Universität in Beer-Sheva.
sciencemuseum.org.uk
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Forschung in der Schweiz
Studie Dyskalkulie 2008
"Das Ziel dieser Studie ist es die Rechenschwäche besser zu verstehen, wobei besonderes Gewicht auf die neuronalen Grundlagen gelegt wird. Uns interessiert wie das Gehirn von Kindern mit Dyskalkulie Zahlen und Mengen verarbeitet, welche Unterschiede sich anatomisch und in den Nervenfaserverbindungen zeigen zwischen rechenschwachen und normalrechnenden Kindern. Zudem versuchen wir diese neurologischen Befunde mit verschiedenen Verhaltenscharakteristika der Dyskalkulie in Verbindung zu bringen.
Wir gehen jedoch noch einen Schritt weiter und haben, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, das Computertraining „Rette Calcularis" entwickelt.
Dieses Training soll spezifisch die Zahlenraumvorstellung verbessern und eignet sich für Kinder mit und ohne Dyskalkulie in der 2. bis 4. Klasse.
Zur Zeit sind wir daran „Rette Calcularis" an einer Stichgruppe von Kindern mit und ohne Rechenschwäche auf seine Wirksamkeit zu prüfen. Dazu verwenden wir verschiedene neuropsychologische Tests und modernste bildgebende Verfahren (Magnetresonanz-Tomographie).
Erste Ergebnisse zeigen sowohl Verbesserungen auf der Verhaltens-, als auch Veränderungen auf neuronaler Ebene, die überwiegend durch verbesserte Zahlenraumvorstellung und Automatisierungsprozesse erklärbar sind."
Universität Zürich - Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie kjpd.uzh.ch
Projektleiterin ist die Neurobiologin Karin Kucian
mehr zu dieser Studie:
uzh.ch/news
Rechenprobleme bei Kindern können verschiedene Ursachen haben. Die Messung der Hirnaktivität allein gibt darüber keinen Aufschluss.
Um mögliche Störungen zu identifizieren, noch bevor sie im Verhalten der Kinder zu Tage treten, müssten bestimmte Hirnzustände zum Zeitpunkt x eindeutig mit späteren Problemen zusammenhängen.
Dies nachzuweisen ist schwierig genug.
Ralph Schumacher ist Verhaltenswissenschaftler und lehrt in Zürich.
Alles Neuro - oder was?
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Der Gehirnforscher und Mathematiker Stanislas Dehaene in Paris hat diesen so genannten Zahlensinn untersucht. Er will wissen, warum wir rechnen können, und wie die Mathematik in den Kopf kommt.
"Noch vor kurzem hatte man die Vorstellung, dass sich die Fähigkeit zur mathematischen Abstraktion sehr langsam entwickelt und dass selbst im Alter von fünf, sechs oder sieben Jahren ein Kind noch sehr wenig mathematisches Verständnis besitzt.
Diese Vorstellung von einem sich langsam aufbauenden Mathematikverständnis gilt heute nicht mehr.
Stattdessen geht man davon aus, dass die Grundlagen der Mathematik, das heisst, Zahlen, Raum, Zeit und Objektpermanenz, vom ersten Lebensjahr an vorhanden sind", sagt er.
Unser angeborener Zahlensinn, erklärt Dehaene, sitzt im parietalen Cortex der rechten und linken Gehirnhälfte. Diese Region wird aktiviert, wann immer wir mit Zahlen und Schätzungen zu tun haben. Für die exakte Mathematik jedoch ist unser Gehirn nicht eingerichtet. Viele andere Bereiche, die von der Natur ursprünglich Fähigkeiten wie Sprachverarbeitung und visuelle Identifikation zugedacht waren, müssen für die Mathematik neu verschaltet werden. Eine Herausforderung für unser Gehirn. Die Basis für die höhere Mathematik bleibt jedoch immer der angeborene Zahlensinn. Er ermöglicht einen intuitiven Zugang zur Mathematik, auf den auch die asiatische Pädagogik aufbaut.
Quelle: 3sat.de
- Entstehung Rechenschwäche
Michael Gaidoschik
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- Wie sie rechnen
Michael von Aster
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- Hirnforschung Israel
Roi Cohen Kadosh
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- Forschung in der Schweiz
Karin Kucian
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- Alles Neuro - oder was?
Ralph Schumacher
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- Der Zahlensinn
Stanislas Dehaene
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